Unser Dorf
Serneus - ein Dorf mit Charakter
Von Landquart her fahren wir durchs Prättigau. Wenige Kilometer nach Saas eröffnet sich uns ein prächtiger Ausblick auf den sich weitenden Talkessel der Gemeinde Klosters-Serneus mit den Berggipfeln der Silvrettagruppe.
Schon erreichen wir Pagrüeg, den ersten Dorfteil von Serneus. An braungebrannten Häusern und Ställen vorbei gelangen wir nach Mezzaselva. Von der gegenüber liegenden Talseite her, etwas tiefer gelegen, grüsst uns Serneus Dorf. Gar heimelig und einladend wirkt der Anblick der nahe beieinander stehenden Häuser auf der Wiesenterrasse, behütet vom weissen Kirchlein vor dem Dorf.
Wir verlassen die Prättigauerstrasse Richtung Talgrund und lernen am rechtsseitigen Abhang den Dorfteil Walki kennen. Die vielen neuen, schön gestalteten Häuser verraten, dass sich hier manch junge Familie ansiedeln konnte, deren Kinder das grosszügig erweiterte Schulhaus mit der Mehrzweckhalle und dem zweistöckigen neuen Kindergarten in Serneus Dorf beleben.
Ganz unten in der Walki führt ostwärts dem rechtsseitigen Flussufer entlang ein Weg zur Schwefelquelle im Bad Serneus. Durch diese Quelle ist Serneus in der Geschichte der alpinen Heilbäder präsent. Glücklicher Weise ist das Bad mit seinem Hotel vor Jahren erneuert und wiederum geöffnet worden. Es wurde, von einem Prinzen, sprich Investor, aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und zu neuem Leben erwacht.
In der Walki überqueren wir die Brücke über die Landquart und erreichen nach kurzer Steigung Serneus Dorf. An der freistehenden Kirche St. Sebastian vorbei lassen wir uns in Empfang nehmen von den alten Prättigauer Häusern, verziert mit kunstvoll eingeschnitzten Haussprüchen. Bald fällt uns auf, dass das Baujahr der sonnenverbrannten Holzhäuser fast durchgehend zwischen 1742 und 1745 lautet. Nach einer verheerenden Feuersbrunst am 10. August 1741 wurden die Häuser innert weniger Jahre wieder aufgebaut und zwar fast ausschliesslich mit den schönen Arvenstuben lässt denselben Handwerker und Künstler erkennen.
Abseits von Lärm und Durchgangsverkehr bietet Serneus die ideale, erholsame und familienfreundliche Wohnlage und Feriendestination in jeder Jahreszeit.
Chronikauszüge
Nicolin Sererhard erzählt im Jahre 1742 im Buch "Einfalten Delineation" über Serneus folgendes:
ZERNEUS oder Sarneus, ist ein nicht allzu große Gemeind, nur ein klein Stük ob der Lanquart, an der linken Seiten derselben an einem schönen Wiesenfeld ligend. Erst vor zwei Jahren ist dieses Dorf bey nachem ganz abgebrunnen. Zu Zerneus sind Kirch angehörig 1. der Hof G u 1 f i e n zur Linken gegen Klosters, 2. der Hof i n d e r G r u b e n. Ob diesem Ort ist ein Wald und ob dem Wald ein hocher Felsen. Aus diesem Felsen haben erst vor etlich wenig Jahren große Stük Steine wie Häußer und halbe Häußer angefangen loß zu brechen und durch den Wald mit schreklichem Geprassel hinunder zu trohlen in die Grub und hat wenig gefehlt, dz nicht deren ein Stein ein alldorten bewohntes Hauß mitten in der Nacht zerschmettere zu höchstem Schreken der Einwohnern. Nicht weit von der Grub stuhnde vormalen auch ein altes Schloß, genant Badino oder Padina. Vor der Grub voraußen auch zur Rechten ist eine Nachbarschaft aus ziemlich vielen Häußern bestehend und zu Zerneus Kirch angehörig, einen ziem-lich langen Strich hinunder dem Wald, der Landstraß nach erstrekende, heißt
3. M e t z a s e l v a. Vor etlichen Jahren hat man zu Zerneuß die Kirche erneuert. Da hat der Meister aus eigner Phantasie oben am Chor-Gewölb mit Stukatur Arbeit zur Zierrath ein schönes Däublein formiert. Die Bauren aber wurden ob diesem unschuldigen Däublein uneinig und geriethen einander stark in die Haar, einige wollten [es] als etwas abgöttisches kurzum abgeschaffet haben, einige andere hingegen wollten es als ein adiaphoroa beybehalten.
Herr Decan von Mooß seel, wurde deswegen oft incommodirt, bis er endlich mit vieler Mühe zwischen diesen Leuthen Frieden gestiftet und zwar allso, daß das liebe Däublein als ein Sinbild der Einfalt hätte sollen stehen bleiben, doch die Zelotten konten sich nicht zur Ruhe begeben, bis sie dasselbe noch endlich mit langen Piquen zerstupfet haben. Hier möchte es wohl heißen, viel Köpf viel Sinn.
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