
Kirche Serneus (San Sebastian 1479)
Das Gotteshaus zu Serneus
Nun liegt es also nach 25 Jahren wieder vor, das Büchlein „Das Gotteshaus zu Serneus“. Zu verdanken ist das der
Initiative des Kirchgemeindevorstandes Klosters-Serneus, dem es ein Anliegen ist, dass die reiche Geschichte der Kirche St. Sebastian und des schön gelegenen
Dorfes Serneus als Schrift greifbar und im Bewusstsein lebendig ist. Darin liegt eine grosse Kraft, die für Entscheidungen der Gegenwart, welche in die Zukunft
tragen sollen, genutzt werden kann. Der Zeitpunkt des 525-jährigen Bestehens des Gotteshauses ist dazu bestimmt gut gewählt. Ich gratuliere zu diesem Jubiläum
und zu allem, was in dieser langen Zeit zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen gelingen durfte!
Es ist auch für den Verfasser ein eindrückliches Erlebnis, wenn ein Viertel Jahrhundert nach dem Erscheinen
eines Bändchens die Anfrage kommt, dieses neu zu bearbeiten. Erinnerungen werden wach, wie es damals 1979 war: Die Bemühungen um das Ausfindigmachen und
Zusammenstellen der historischen Fakten, der Druck und das Erscheinen dieses ersten Serneuser Büchleins, und schliesslich das Fest am Reformationssonntag mit
der freudig herbeigeeilten Gemeinde und den Pfarrkollegen Karl Sulzbach und Klaus Otte im damals fünfhundertjährigen Gotteshaus. Besonders eindrücklich war das
Abendmahl mit dem kurz zuvor der Vergessenheit enthobenen, ältesten, gotischen Kelch aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Als junger Prediger war ich vor dem Gottesdienst natürlich sehr aufgeregt, was meinen Kollegen nicht verborgen
blieb. Karl Sulzbach meinte beruhigend: „Ein Fest kann man nicht machen.“ Ich muss ihn ziemlich verdutzt angeschaut haben, denn er wiederholte den Satz, und ich
realisierte: Die Betonung lag auf dem letzten Wort. Ja, das Gelingen eines Festes ist letztlich nicht machbar, auch wenn viele Vorbereitungen und Anstrengungen
dazu erforderlich sind. – Im Leben ist das auch so: An Gottes Segen ist alles gelegen! Ich habe das nie mehr vergessen. – Klopfenden Herzens ging es alsdann vom
Pfarrhaus zur nahen Kirche, und es wurde eine wundervolle Feier an einem herrlich strahlenden Herbsttag!
Seinen Anfang nahm mein Erstlingswerklein mit einer gehörigen Portion Neugierde und einem Besuch bei Andres
Rüedi auf dem Höfji in Mezzaselva. Er zeigte mir eine Broschüre von Anton von Sprecher über das Zinsbuch der Kirche Serneus aus dem Jahre 1479. Erfreut merkten
wir, dass ein hohes Jubiläum ins Haus stand! Der Kirchgemeindevorstand griff die Idee auf, regte die Festschrift an und ermöglichte deren Herausgabe. Zuerst
dachten wir an acht oder sechzehn Seiten, schliesslich waren es deren achtzig. Bei der vorliegenden Neuherausgabe sind es noch mehr: Die Liste der Pfarrpersonen
wurde auf den aktuellen Stand gebracht, und neu dazu gekommen sind die Haussprüche und der Bericht über die 500-Jahr-Feier.
Die erste Gemeinde hat mich sehr geprägt, und ich werde mich ihr immer freundschaftlich verbunden wissen. Viele
Weisheiten der Bevölkerung des oberen Prättigaus und manche Begegnungen und Erlebnisse begleiten mich auf meinem weiteren Wirkungsweg und tragen immer wieder
neue, gute Früchte.
Dem Kirchgemeindevorstand danke ich für die Neuherausgabe und meiner Frau Stana für die Unterstützung meiner
Arbeit. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich von Herzen viel Freude und Gottes Segen!
Pfr. Jakob Vetsch,
Zürich, Pfingsten 2004
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Die älteste greifbare Ansicht der Kirche, nach einer Zeichnung von Heinrich Keller um 1820
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Als 1622 österreichische Soldaten ins Haus eindrangen, las eine Frau in dieser Lutherbibel,
worauf einer mit seiner Helebarde auf die Bibel schlug
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Das Dorf nach 1929, mit der renovierten Kirche, dem Schulhaus von 1907 und dem "Türmji-Hüschi" auf dem heutigen Parkplatz
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Das Dorf am Fusse der Casanna um 1907, mit dem neuen Schulhaus;
die Kirche hatte damals noch keine Uhr
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Die reichverzierte Kanzel von 1674
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Der markante Pfarrstuhl aus dem 18. Jahrhundert
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Die drei historischen Abendmahlskelche von 1677, zweite Hälfte 14. Jh. und 1644
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Dorfszene anfangs des 20. Jahrhunderts
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